Ukrainische Kinder unter russischer Besatzung und Zivilpersonen in Gefangenschaft können nicht auf Frieden warten.

Die Freilassung gefangener Zivilpersonen und verschleppter Kinder muss vor jedem Friedensabkommen geschehen – nicht als Verhandlungsmasse und nicht aufgeschoben.

Duotone-Foto: zwei Menschen umarmen sich, gelb auf dunkelblau.

Seit 2014 hält russland ukrainisches Staatsgebiet besetzt und hat die Krim annektiert, 2022 begann die großangelegte Invasion. Große Teile des Ostens und Südens der Ukraine sind bis heute besetzt.

Über die massive Zerstörung hinaus trifft die Besatzung vor allem die Menschen, die unter ihr leben: durch erzwungene Passportisierung, Enteignung, die Militarisierung junger Menschen und die Verhaftung Tausender Zivilpersonen.

Zahlen

20.651

Kinder deportiert oder zwangsweise verbracht.

Ein Punkt ist ein Kind.

20.651

Kinder deportiert oder zwangsweise verbracht.

16.000+

Zivilpersonen unrechtmäßig inhaftiert, nur rund 1.500 bisher freigelassen. 85 % von ihnen berichten von Folter.

Rund44.000

Kinder in den besetzten Gebieten sind Mitglieder der Junarmija.

34.000+

Immobilien seit 2024 in den besetzten Gebieten beschlagnahmt.

2.222

registrierte Fälle von Verschwindenlassen.

Keine der Beobachtungsstellen hat physischen Zugang zu den besetzten Gebieten. Jede Zahl hier ist ein belegter Mindestwert.

Kinder: Verschleppung, Umerziehung, Militarisierung

Kinder werden in russische Schulen, Umerziehungslager und militärisch-patriotische Organisationen gebracht, wo ihre ukrainische Identität unterdrückt und durch russische Ideologie ersetzt wird. Neben der Indoktrinierung im regulären russischen Schulsystem wurden ukrainische Kinder in mindestens 210 bekannte Einrichtungen gebracht, darunter Sommerlager, Sanatorien und militärische Übungsplätze. Dort wurden sie umerzogen und teilweise militärisch ausgebildet.

Waisen und Kinder mit ungeklärtem Sorgerecht wurden in russische Familien gegeben, was ihre Rückkehr immer schwieriger macht. Insgesamt leben schätzungsweise 1,6 Millionen ukrainische Kinder unter 18 Jahren unter Besatzung. Dort sind sie dem russischen staatlichen Bildungssystem, „patriotischer“ Erziehung und weiteren Formen ideologischer Einflussnahme und Militarisierung ausgesetzt.

Eine Kindheit unter Besatzung

Ein Kind wird verschleppt, bekommt eine neue Identität und wird auf den Dienst im System des Besatzungsstaates vorbereitet.

  1. Kindergarten

    Das wöchentliche Pflichtprogramm „Gespräche über das Wichtige“ vermittelt schon im Kindergarten Botschaften, die den Krieg rechtfertigen.

  2. Schule

    Ukrainische Lehrpläne werden durch russische ersetzt. Unterricht auf Ukrainisch wurde mit der Anordnung Nr. 729 des russischen Bildungsministeriums abgeschafft, die seit Dezember 2025 gilt.

  3. Lager

    Deportation wird als „Evakuierung“ dargestellt. Kinder kommen in Lager, Internate oder russische Familien und werden zwischen russischen Regionen verlegt.

  4. Neue Papiere

    Geänderte Dokumente, ein neuer Name oder eine neue Staatsangehörigkeit, erzwungene Passportisierung, Vormundschaft oder Adoption, kein Kontakt mehr zur ukrainischen Familie.

  5. Jugendliche

    Waffen- und Drohnentraining, Kadettenklassen, militärisch-patriotische Lager. Auf der besetzten Krim stieg die Zahl der Kadettenklassen von 3 im Jahr 2015 auf 306 im Jahr 2025. Die Junarmija zählt 44.000 Mitglieder aus den besetzten Gebieten.

  6. 16

    Schon 16-jährige Jungen erhalten Bescheide zur militärischen Erfassung.

  7. 18

    Die Einberufung mit 18, nach erzwungener Staatsangehörigkeit, ist selbst ein Kriegsverbrechen.

Quelle: Expert:innenmission des Moskauer Mechanismus der OSZE, Juli 2026, zitiert in unserem Policy Paper.

Zivilpersonen: Haft, Zwang, Verschwindenlassen

Aktivist:innen, Beamt:innen, Journalist:innen, Geistliche und Angehörige ukrainischer Soldat:innen sind von Festnahme und Verfolgung bedroht. Eine Festnahme kann inoffizielle Haft, Folter oder Verschwindenlassen bedeuten, und die Familien bleiben ohne Informationen. So entsteht unter den Menschen ein Klima allgegenwärtiger Angst.

  1. Entführung
  2. Verhör
  3. Zwang
  4. Konstruierter Fall
  5. Prozess
  6. Strafkolonie
Kein eigener Freilassungsmechanismus

Zivile Gefangene sind keine Kriegsgefangenen.

Für Kriegsgefangene gibt es einen Schutzstatus und Austauschmechanismen. Zivile Geiseln haben keinen vergleichbaren Status, keinen eigenen Freilassungsmechanismus und laufen Gefahr, dauerhaft von jedem Austausch ausgeschlossen zu bleiben.

Die Anatomie der russischen Besatzung

Die russische Besatzung ist ein koordiniertes System aus Ideologie, Institutionen, physischer Gewalt, Verwaltung, Bildung, Logistik, Propaganda und Geld. Jeder Teil erfüllt eine Funktion.

Teil 1 des Policy Papers lesen

Rechenschaft

Die Zwangsverbringung und Umerziehung von Kindern und der erzwungene Dienst in den Besatzungstruppen verstoßen gegen das Völkerrecht. Der Internationale Strafgerichtshof hat wegen der rechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder Haftbefehle gegen Wladimir Putin und Maria Lwowa-Belowa erlassen. Die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen stuft Verschwindenlassen und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein, begangen als koordinierte Staatspolitik.

Warum die Freilassung nicht auf Frieden warten kann

Die Rückkehr verschleppter Kinder und Zivilpersonen erfordert Dokumentation, Suche, Diplomatie, Vermittlung, Sanktionen und Reintegration – nichts davon muss auf ein Friedensabkommen warten.

  • Dokumentation
  • Suche
  • Diplomatie
  • Vermittlung
  • Sanktionen
  • Reintegration

Kann jetzt beginnen

In den aktuellen Diskussionen über Friedensgespräche behandelt russland dies als Verhandlungsmasse, angeblich zur Vertrauensbildung bei Waffenstillstandsgesprächen. Das Völkerrecht ist jedoch eindeutig: Kinder dürfen niemals Teil von Austauschverfahren für Kriegsgefangene werden, und ihre Freilassung darf nicht verhandelbar sein.

Release

  • Verschleppte Kinder kehren zurück
  • Gefangene Zivilpersonen werden freigelassen
  • Die Militarisierung von Kindern endet

nicht verhandelbar

before

Peace

  • Bedingungen des Waffenstillstands
  • Sicherheitsvereinbarungen
  • Sanktionen
  • Friedensabkommen

Drei lösbare Lücken stehen im Weg

  1. 1Das ukrainische Justizministerium führt eine zentrale Datenbank deportierter Kinder. Es fehlt ein interoperables Fallmanagement, das sie mit der internationalen Suche verbindet.
  2. 2Zu wenig internationaler Druck auf die russischen Behörden
  3. 3Kein Reintegrationssystem, das bereitsteht, wenn Menschen zurückkehren

Politische Empfehlungen

1

Rechenschaft

Verbrechen nach dem Weltrechtsprinzip verfolgen und internationale Entschädigungsmechanismen unterstützen.

2

Gezielter Druck

Sanktionen gegen diejenigen verhängen, die die Besatzungspolitik umsetzen, nicht nur gegen die Führungsebene.

3

Rückkehr und Reintegration

Internationale Bemühungen um die Rückkehr verschleppter Kinder und die Freilassung von Zivilpersonen koordinieren und zugleich die Unterstützung nach ihrer Rückkehr vorbereiten.

4

Nichtanerkennung und Schutz

Russische Dokumente aus der Besatzungszeit nicht anerkennen und Ukrainer:innen vor russischem Druck und Geheimdienstaktivitäten schützen.

Alle Empfehlungen im Policy Paper

SIE KÖNNEN NICHT AUF FRIEDEN WARTEN.

Jeder Tag des Aufschubs macht die Rückkehr schwerer.

Tag [MISSING: days] der Besatzung

Partner

Release Before Peace ist eine Kampagne von Vitsche e.V. mit Terre des Hommes und Razom.

Vitsche-LogoLogo von Razom for UkraineLogo von Terre des Hommes

Vitsche e.V. ist eine ukrainisch geführte, in Berlin verankerte und deutschlandweit aktive Organisation. vitsche.org

Presse

Im Rahmen der Kampagne stellen wir Kontakte zu Betroffenen und Expert:innen sowie Hintergrundinformationen und weiteres Material zur Verfügung.

Pressekontakt: Vladyslava Vorobiova
vladyslava.vorobiova@vitsche.org